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Alpendurchquerung whatsalp erfolgreich abgeschlossen

Seit dem 3. Juni 2017 wanderte unter dem Namen «whatsalp» eine Gruppe von Alpenfachleuten durch Österreich, die Schweiz, Frankreich und Italien von Wien nach Nizza. Sie dokumentierten den aktuellen Zustand der Alpen und tauschten sich mit verschiedenen Menschen vor Ort und unterwegs aus. Ein weiteres Ziel war, einen Vergleich mit den Ergebnissen der Alpendurchquerung TransALPedes im Jahr 1992 zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Die Details dazu bei uns am Freitag im TRV Vormittag! 

 

Auf der Fussreise von 1800 Kilometer begleiteten etappenweise rund 200 Mitwandernde die Kerngruppe von whatsalp. Sie bestand aus den Schweizer Geografen Dominik Siegrist und Harry Spiess sowie aus den österreichischen Alpenexperten Christian Baumgartner und Gerhard Stürzlinger.

Die europäischen Alpen präsentierten sich ihnen als vielfältige und spannende Region. Diese werden einerseits durch ein starkes Bevölkerungswachstum geprägt, leiden aber in vielen Regionen verstärkt an einer flächenhaften Abwanderung. Bei den Treffen und Gesprächen mit Menschen vor Ort haben die whatsalp-Mitglieder den Eindruck erhalten, dass im Vergleich zu 1992 die junge Generation heute in den Berggebieten deutlich weniger vertreten ist. «Um dies zu ändern, braucht es neue, den jeweiligen nationalen und regionalen Verhältnissen angepasste Strategien und Modelle», sagt Harry Spiess vom whatsalp-Kernteam.

 Nötig sei, das starke Wachstum der Alpenstädte zu bremsen und die Alpenregionen für das Wohnen und Arbeiten wieder attraktiver zu machen, gerade auch für junge Leute. Deren dreissig begleiteten die Wandergruppe etappenweise im Rahmen des CIPRA-Projekts whatsalp youth.

Die Ergebnisse der Alpendurchquerung whatsalp in vier Punkten:

1) Die Alpen sind vom Klimawandel und seinen Folgen noch stärker betroffen als bereits 1992. Die whatsalp-Gruppe hat die beschleunigt schmelzenden Gletscher erlebt, was zu einem Qualitätsverlust der Alpenlandschaft führt, wie am Rhonegletscher/CH oder an der Grande

Motte bei Val d’Isère/F. Als Folge des Schneemangels ist zu beobachteten, wie viele Skigebiete in den Alpen mit teuren Beschneiungsanlagen, Pistenplanien und Speicherseen weiter aufrüsten. Kernteam-Mitglied Christian Baumgartner stellt fest: «Die klimabedingten Naturgefahren nehmen zu, wie der Bergsturz in im Schweizer Bergdorf Bondo im Bergell drastisch gezeigt hat.» Für den Klimaschutz brauche es konsequentere Lösungen als heute, und die Berggebiete müssten im Rahmen der Klimapolitik eine besondere Aufmerksamkeit erhalten.

2) Neben dem sich im Vergleich zu 1992 verstärkenden, global ausgerichteten unökologischen Intensivtourismus haben die whatsalp-Weitwanderer neue Formen des naturnahen Tourismus in den Alpen erlebt, zum Beispiel mit dem Projekt «100% Valposchiavo» in Graubünden/CH, im Nationalpark Mercantour/F und im Valle Maira/I. Dazu sagt Kernteam-Mitglied Dominik Siegrist: «Der Alpentourismus benötigt dringend eine Reform in Richtung Nachhaltigkeit, sei dies mit der Ökologisierung des intensiven Tourismus, aber auch mit der konsequenteren Förderung eines an die jeweiligen lokalen Verhältnisse angepassten naturnahen Tourismus.»

3) Der Transitgüterverkehr auf der Strasse hat in den vergangenen 25 Jahren weiter zugenommen, und auch der motorisierte Freizeitverkehr hat sich stark entwickelt. «Wir haben uns mit einer Reihe von Projekten zur Förderung der sanften Mobilität beschäftigt», erklärt Gerhard Stürzlinger vom whatsalp-Kernteam. Trotz positiven Ansätzen, wie sie beispielsweise durch die schweizerische Alpen-Initiative in die nationale Politik eingebracht worden seien, gelänge es aber insgesamt nicht, den überbordenden motorisierten Güter- und Freizeitverkehr in den Alpen einzudämmen. Die Alpenstaaten und die EU sind gefordert, wirkungsvolle Regelungs- und Förderinstrumente zur Eindämmung des Transitverkehrs, zur Verlagerung insbesondere der Gütertransporte auf die Schiene und zur Besänftigung des motorisierten Freizeitverkehrs zu schaffen, fordert Gerhard Stürzlinger.

4) Das «Bioland Alpen» ist seit 1992 in vielen Tälern der Alpen Realität geworden, wie das Beispiel der «Ramsauer Bioniere» in der Steiermark eindrücklich zeigt, während an anderen Orten weiterhin eine wenig ökologische Landwirtschaft dominiert. Im Rahmen der Landwirtschaftspolitik ist die Ökologisierung der Berglandwirtschaft weiter zu fördern und sind Anreize zu schaffen, um die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus zu verstärken.