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Mals-Bormio: Bahntunnel im Fokus

Die Vorstudie für eine mögliche Verbindung zwischen dem Vinschgau und dem Veltlin stand im Mittelpunkt des Informationsabends (4. Dezember) in Mals.

„Denkanstoß, um sich mit künftigen Verkehrsverbindungen auseinanderzusetzen“: Die Vorstudie für eine mögliche Verkehrsverbindung Mals-Bormio wurde gestern vorgestellt.

Beim vorgestellten Dokument handle es sich um eine Vorstudie, erklärte Landesrat Richard Theiner. Bewusst habe man diese zuallererst im Vinschgau und im Veltlin präsentieren wollen, um die Bevölkerung von Anfang an zu informieren. „Dieses Bauvorhaben wird sicher nicht so schnell umgesetzt, ist aber ein wichtiger Denkanstoß für künftige Verkehrsanbindungen, mit dem wir uns ernsthaft auseinandersetzen sollten“, betonte der Umweltlandesrat vor rund 80 Interessierten, die sich gestern im Malser Kulturhaus eingefunden hatten.

Die Überprüfung der Machbarkeit einer ganzjährigen Verbindung zwischen dem Vinschgau und dem Veltlin ist im „Einvernehmensprotokoll zur Aufwertung des Stilfserjochs“ enthalten, das im Juli 2015 von Landeshauptmann Arno Kompatscher und dem Präsidenten der Region Lombardei Roberto Maroni unterzeichnet wurde. Mit der Machbarkeitsstudie wurde die lombardische Gesellschaft „Infrastrutture Lombarde“ (ILSPA) beauftragt, die eine erste Vorstudie mit verschiedenen, großteils unterirdisch verlaufenden Varianten für eine Schienen- und eine Straßenverbindung zwischen Mals und Bormio ausgearbeitet hat.

Land unterstützt Bahnverbindung

„Der Idee, den Vinschgau mit der Lombardei zu verbinden, kann ich einiges abgewinnen. Für uns kommt jedoch nur eine Bahnverbindung in Frage“, stellte Landesrat Theiner klar. Er verwies auch auf die Vinschgerbahn, die sich seit ihrer Wiederinbetriebnahme zu einem Erfolgsmodell entwickelt habe. Der Vinschgau habe aufgrund seiner peripheren Lage großes Interesse an zusätzlichen Verkehrsverbindungen, ob diese nun Richtung Lombardei oder Richtung Schweiz gehen. „Mobilität kennt keine Grenzen, daher haben wir uns auch mit der Verbindung zwischen Mals und Scuol im Unterengadin beschäftigt, die aber derzeit von der Schweiz als nicht prioritär eingestuft wird“, sagte Theiner. Genauso wolle man sich mit dem Vorhaben Mals-Bormio auseinandersetzen.

Neben Unterstaatssekretär Ugo Parolo, der in der Lombardei für die Bergpolitik verantwortlich ist, und den Technikern von „Infrastrutture Lombarde“ waren bei der Informationsveranstaltung auch Ressortdirektor Florian Zerzer sowie der Direktor der Südtiroler Transportstrukturen AG, Joachim Dejaco, und Michael Prader, stellvertretender Betriebsdirektor der Vinschgerbahn, anwesend; im Publikum fanden sich fast alle Obervinschger Bürgermeister.

Die Verantwortlichen von Infrastrutture Lombarde SpA gingen auf die verkehrs- und umweltbezogenen Erhebungen ein, die für die Vorstudie durchgeführt worden sind, und erklärten die verschiedenen Möglichkeiten für eine Bahn- bzw. Straßenverbindung zwischen Mals und Bormio. In der Vorstudie wurden sieben Varianten für eine Straßenverbindung und sechs Varianten für eine Bahnverbindung geprüft, jeweils mit geschätzten Bauzeiten zwischen sechs bzw. sieben und zehn Jahren.

Die Straßenvarianten sehen Trassen in einer Länge von 14 (Bormio-Santa Maria,CH) bis 29 Kilometern (Bormio-Stilfs) vor, wobei ein Tunnel in der Länge von neun bis 17 Kilometern nötig wäre. Die entsprechenden Investitionskosten würden sich auf 0,85 bis 1,3 Milliarden Euro, die jährlichen Betriebskosten auf rund 4,2 Millionen Euro belaufen. Die Bahnvarianten schwanken zwischen einer Länge von 31 bis 35 Kilometern mit Tunnellängen von 18 bis 33 Kilometern. Die Investitionskosten würden sich auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro belaufen, die Betriebskosten auf rund 5,78 Millionen Euro. Die Fahrzeiten zwischen Mals und Bormio würden laut derzeitigen Berechnungen bei 25 bis 30 Minuten liegen. Minimallösungen sehen nur Haltestellen in Bormio und Mals vor, erweiterte Lösungen auch Haltestellen in Müstair und Taufers im Münstertal.

Weitere Vertiefungen notwendig

Nun sollen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Diese beziehen sich vor allem auf die Frage, ob nur Personenverkehr oder auch Güterverkehr auf der Strecke durchgeführt werden sollte und wie eine Verladestation für Autos auf die Schiene realisiert werden könnte. Zu letzterer äußerte sich die anwesende Bevölkerung kritisch: Man befürchte größere Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen im Vinschgau.